Das Konzept

Die Idee

Unser vorrangiges Ziel ist die Realisierung eines „Modellprojektes Nicos Farm“, am liebsten in Amelinghausen bei Lüneburg (Niedersachsen), bei dem die behinderten Kinder mit ihren Eltern in einer Gemeinschaft zusammen leben, die sich durch das gemeinsame Miteinander gegenseitig unterstützt. Nicos Farm wird eine einmalige „Insel der Menschlichkeit“.

"Nicos Farm" wird als Mehrgenerationen-Projekt angelegt, soll Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung sichern und Freizeitaktivitäten anbieten, bei denen sich Menschen mit und ohne Handicap näher kommen, möglichst auch kooperieren.

Der Standort Amelinghausen wurde 2013 gewählt, als unser Vorsitzender Arnold Schnittger den Rollstuhl seines Sohnes Nico 1080 km von Flensburg zum Bodensee schob, um auf die Situation von pflegenden Angehörigen aufmerksam zu machen. Seitdem gibt es den Kontakt zur Samtgemeinde Amelinghausen.

Größter Wunsch ist es, dass der erste Spatenstich zu "Nicos Farm" Ende 2017 erfolgen wird und im Frühjahr 2018 erste Häuser bezugsfertig sein werden.

Netzwerk/Team

Rund um den Verein Nicos Farm ist ein Netzwerk von Mitarbeitern, Machern, Unterstützern und Förderern entstanden. Neben dem Vereinsgründer Arnold Schnittger und den weiteren Vereinsmitgliedern sind hier vor allem (in alphabetischer Reihenfolge) zu nennen:

Dr. Frank Andraschko
Archäologisches Institut der Uni Hamburg (www.agil-online.de)
Sven Assmuth
SmartConcept Wohnen AG & Co. KG (i.G.) (www.autark-hoch3.de)
Dr. Erich Bäuerle
Ozeanograph und Spezialist für den Aufbau biologischer und physikalischer Erlebniswelten
Theresia Brechmann
Theresia Brechmann hat jahrzehntelang das berühmte „Bielefelder Modell“ mit aufgebaut und als Wohnprojektberaterin hunderte von Wohnprojekten beraten
Volker Brückner
Projektkoordinator mit Schwerpunkt Inklusion, Mit-Organisator des „Lichtermeer Lüneburg“
Dr. Hanneli Döhner
Ehemalige Leiterin der Arbeitsgruppe Sozialgerontologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Gutachterin beim BMG im Schwerpunkt Demenz
Carsten Herbst
Geschäftsführer Holz Herbst GmbH, Lüneburg
Marcus Hinck
Architekt in Hamburg
Robert Kik
Initiator von „Robbe pilgert“ und Unterstützer des Vereins “Chance zum Leben – ALS e.V.”
pro inclusion e.V.
Lüneburger Verein, der sich für mehr Miteinander in der Gesellschaft einsetzt
Marina Reff
Mit-Organisatorin des „Lichtermeer Dortmund“
Peter Rabeler
Architekt
Samtgemeinde Amelinghausen
Mit Bürgermeisterin Claudia Kalisch und Stellvertreter/Gemeindedirektor Michael Göbel
Anke Schreiber
Dipl.-Ingenieurin in Hamburg
Prof. Gabriele Winker
Professorin für Arbeitswissenschaft und Gender Studies an der TU Hamburg-Harburg und Initiatorin der „Aktionskonferenz Care Revolution.“

Die Beweggründe, warum wir Nicos Farm verwirklichen wollen

Es gibt in Deutschland etwa 950.000 behinderte Kinder. Sie leben zu weit über 90 Prozent in Familien. Eltern, die behinderte Kinder zuhause betreuen, entscheiden sich trotz der damit verbundenen Risiken und enormen Belastungen für diese Lebensform, weil sie ihren Kindern erstens einen so normal wie möglichen Alltag schenken möchten. Und zweitens, weil es für ihre Kinder kaum menschenwürdige Alternativen zum Leben in der eigenen Familien gibt.

Fast alle Eltern stellen sich deshalb die Frage, was aus ihrem Nachwuchs wird, wenn sie selbst nicht mehr als Betreuer und Lebensbegleiter zur Verfügung stehen können. Muss das Kind dann in ein Heim umziehen? Für die meisten ist das eine schreckliche Vorstellung. Orte, die nicht Heim sind, und an denen behinderte Kinder erst mit und später auch ohne ihre Eltern leben können, sind in Deutschland kaum vorhanden.

Die persönlichen Faktoren

Aus Sorge um die Zukunft seines körperlich und geistig schwer behinderten inzwischen (Stand April 2017) 22-Jährigen Sohnes Nico Schnittger gründete Arnold Schnittger aus Hamburg nach unzähligen Gesprächen mit anderen betroffenen Eltern im Jahre 2008 den gemeinnützigen Verein Nicos Farm e.V. Zweck war und ist ist die Schaffung eines innovativen Wohnprojekts. Während mehrerer Rollstuhl-Wanderungen (Hamburg – Meerbusch, Flensburg - Bodensee, Jakobsweg in Spanien, Römer-Lippe-Route) machte Vater Arnold Schnittger immer wieder auf die besondere Situation von pflegenden Angehörigen in Deutschland aufmerksam. Immer mit dem Ziel, Sohn Nico auch dann ein Zuhause zu geben, in dem er sich wohlfühlen kann, falls er als Vater selbst nicht mehr die Pflege des Sohnes übernehmen kann.

Der Nutzen von Nicos Farm

Das Modellprojekt orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der Nutzer. Die Kinder leben zunächst bei ihren Eltern, besuchen in Abhängigkeit von Alter und individuellem Grad der Behinderung Schulen in der Umgebung und/oder die eigene Tagesförderung. Zu einem von ihnen selbst und/oder ihren Familien bestimmten Zeitpunkt wechseln sie dann – sofern das gewünscht ist – in eine eigene Wohnung oder eine Wohngruppe auf Nicos Farm. Integraler Bestandteil des Konzepts ist, dass ein Teil der Wohnungen an ältere, nicht notwendigerweise behinderte Menschen vermietet wird, so dass am Ende ein Mehrgenerationen-Projekt entsteht.

Besonders wichtig ist uns der kooperative, nachbarschaftliche Ansatz, der professionelle und ehrenamtliche/freiwillige Hilfe verknüpft.

Nicos Farm hilft Probleme zu lösen

Permanenter Stress und körperliche Anstrengungen führen bei vielen Vätern und Müttern zu Burnout o.ä., sowie dem Gefühl, allein gelassen zu werden. Ein Großteil der Familien hält diesem Druck nicht Stand und zerbricht. Oft bleibt ein Elternteil mit dem Kind allein zurück, was die Notlage zumeist verschlimmert. Die Flucht in Abhängigkeiten ist für Manche der scheinbar einzige Ausweg.

Als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass sich auch oder gerade Eltern von behinderten Kindern wünschen, dass ihre Kinder als Erwachsene ein halbwegs selbstständiges Leben in liebevoller Umgebung führen können. Insbesondere dann, wenn Vater und Mutter nicht mehr als Betreuer und Lebensbegleiter zur Verfügung stehen.

Die Aussicht, dass das eigene Kind später im Pflegeheim endet, weil kein anderer Platz in der Gesellschaft da ist, ist für viele Angehörige quälend, besonders vor dem Hintergrund der wachsenden Intoleranz in der Gesellschaft gegenüber Menschen, die nicht den üblichen Normen entsprechen sowie der kritischen Pflegesituation in den Heimen. Neben den zu bewältigenden Alltagsproblemen ist die Zukunftsangst für viele Familien mit behinderten Kindern täglicher Begleiter. Orte, die nicht Heim sind, und an denen behinderte Kinder erst mit und später auch ohne ihre Eltern leben können, sind in Deutschland bisher kaum vorhanden. Nicos Farm wird ein solcher Ort sein und damit dem beschrieben gravierenden gesellschaftlichen Mangel ein Stück weit abhelfen.

Wohnen und leben auf Nicos Farm

Auf einem Areal von mehr als 14.000 Quadratmetern entstehen rund 20 eingeschossige Bungalows in Holzrahmen-Bauweise in Größen zwischen ca. 40 und 140 Quadratmetern. (Im Detail orientieren sich die Wohnungsgrößen an den Förderbedingungen.) Zentraler Ansatz ist, dass sich die Familien untereinander organisiert unterstützen, beispielsweise bei der Beaufsichtigung der Kinder, bei der Wahrnehmung von Therapien, bei der Freizeitgestaltung, aber auch bei der Lösung beruflicher Schwierigkeiten.

Dies geschieht mit dem Ziel, jedem einzelnen Elternteil mehr Freiraum für sich selbst einzuräumen und sukzessive ein Stück weit vom eigenen Kind loszulassen. Mieter werden jedoch auch entsprechend ihrer Möglichkeiten verpflichtet, bestimmte Aufgaben für die Gemeinschaft zu übernehmen.

Mit auf dem Grundstück ist auch ein „Nicos Farm“-Care-Hotel geplant, in dem Familien mit ihren behinderten Angehörigen unbeschwert Urlaub machen können, während das behinderte Familienmitglied von fachkundigem Personal gepflegt und betreut wird (24 Stunden-Service).

Alle auf Nicos Farm haben das Recht, ihr Leben lang auf Nicos Farm zu bleiben – wenn sie dies wünschen. Therapieangebote wird es auf dem Gelände ebenfalls geben. Anfragen für die Niederlassung geeigneter Spezialisten liegen dem Verein bereits vor.

Energieversorgung

Auf Nicos Farm wollen wir unsere Energie weitgehend selbst erzeugen und dadurch eine Versorgung zu sehr niedrigen Kosten erreichen. Hier haben wir mit Sven Assmuth, SmartConcept Wohnen AG & Co. KG (i.G.), www.autark-hoch3.de, einen Partner gefunden, der nicht nur zum Thema berät, sondern sich selbst als Käufer/Bauer eines Musterhauses einbringt.

Elektro-Auto-Pool

Sven Assmuth plant auf dem Gelände von Nicos Farm beim Kauf eines Hauses jedem neuen Besitzer ein kleines Elektro-Auto zur Verfügung zu stellen. Bedeutet: Auf Nicos Farm müsste es zukünftig auch Möglichkeiten zum Betanken dieser Fahrzeuge geben.

Weitere Ziele von Nicos Farm

Integraler Teil des Konzepts ist die Kooperation mit einem ambulanten Pflegedienst, der sich als Partner weit über das Erbringen von Standard-Pflegesachleistungen hinaus einbringen wird.

Ein Spielplatz mit behindertengerechten Spielgeräten, Erlebnispfad etc. kann als Bewegungszentrum dienen. Neben den Familien mit behinderten Kindern wollen wir auch mehrere Wohnungen an ältere Menschen vermieten, die in ihrem bisherigen Wohnumfeld nicht mehr bleiben wollen oder können, so dass ein echtes Mehrgenerationen-Projekt entsteht.

Unser Ziel ist Inklusion und Integration, ein echtes Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen in einem normalen Umfeld, jeweils dem demographischen Wandel entgegen steuernd. Sowohl das Wohnprojekt selbst als auch alle Initiativen und Ideen, die wir auf dem Gelände verwirklichen wollen (Freizeiten für Schulgruppen und Jugendgruppen, Seminare, Gartenbau und Tierhaltung, Steinzeitdorf, Garten der Sinne), sind zugleich Angebote an die Gemeinde, den Landkreis und alle Interessierten von nah und fern. Sie sind eingeladen, mitzumachen, sich einzubringen, Fragen zu stellen, gemeinsam mit uns Spaß zu haben.

Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein Nicos Farm und sein Gründer Arnold Schnittger betreiben seit Jahren eine sehr erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit. Darüber hinaus gehört ein erfahrener Journalist und Projektkoordinator zum Team. Bereits ohne das Wohnprojekt ist die Aufmerksamkeit für den Verein Nicos Farm enorm. Diese Aufmerksamkeit werden wir in den kommenden Monaten durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit (u.a. durch die nächste Rollstuhl-Wanderung im Mai 2017, dieses Mal durch Hessen) massiv verstärken. Wir freuen uns auf das Verbreiten von Meldungen über Veranstaltungen auf der „Insel der Menschlichkeit“.